28. Juni 2018

„Kehrt zurück zu Vernunft und Besonnenheit“


Die Superintendenten der Evangelischen Kirchenkreise Saar-West und Saar-Ost, Christian Weyer und Markus Karsch, fordern in einer Erklärung die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf, das „parteipolitisch motivierte Hick-Hack“ in der Flüchtlingspolitik einzustellen.

Alle müssten sich der Verantwortung für tausende von Menschen bewusst werden, die aus ihren Heimatländern vor Krieg und Elend fliehen.

In der Erklärung heißt es:
„Es gibt keine einfachen Antworten auf die Herausforderung von Flucht und Migration. Flucht und Migration betreffen uns alle und sie erfordern gemeinschaftliches und solidarisches Handeln. Einzelinteressen und parteipolitisches Kalkül dagegen führen zu einem unverantwortlichen Spiel mit dem Schicksal von Menschen und letztlich auch mit deren Leben.

Nötig sind vor allem:

  • sichere und humane Fluchtwege für Menschen, die vor Krieg und Elend fliehen;
  • menschliche Bedingungen in den Aufnahmezentren in Europa und Nordafrika;
  • Einheitliche Standards für den Umgang mit Flüchtenden und Migranten in ganz Europa, die sich an der Achtung der Menschenrechte orientieren;
  • konzertierte und forcierte Anstrengungen der Staaten-gemeinschaft zur Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern von Asylsuchenden und Migranten;
  • eine gesamteuropäische Strategie für den Umgang mit Flucht und Migration;

Wir verschweigen nicht die Schwierigkeiten, die es auch mit Geflüchteten und Migranten in unserer Gesellschaft gibt. Auch von ihnen verlangen wir, nach den Grundsätzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu leben. Sexistisches und rassistisches Verhalten können wir auch von Geflüchteten und Migranten nicht tolerieren. Wir weisen jedoch darauf hin, dass der größte Teil der Geflüchteten und Migranten sich hervorragend in unsere Gesellschaft integriert und diese bereichert. Einzelfälle dürfen nicht zu pauschalen Diffamierungen führen. Gerade im Saarland haben wir gemeinschaftlich bewiesen, dass eine Willkommenskultur erfolgreich sein kann.

Wie wir aus Gesprächen mit Mitarbeitenden aus der Diakonie wissen, sind aber noch weitere Anstrengungen, auch finanzieller Art, zur Integration der nun bei uns lebenden Menschen notwendig. Dies gilt besonders für den Bereich Bildung, damit Flüchtlinge die Chance haben, gesellschaftlich und beruflich Fuß zu fassen.

Außerdem halten wir es für wichtig, zwischen Flucht und Migration zu unterscheiden. Die Flucht von Menschen vor Krieg und Elend stellt uns vor Herausforderungen, die oft zügig und manchmal auch spontan bewältigt werden müssen. Migration ist aber ein stetiger Prozess, der ein geordnetes und perspektivisch orientiertes Handeln erfordert. Deshalb halten wir ein Einwanderungsgesetz für längst überfällig.

Wir rufen allen Verantwortlichen zu: In Gottes Namen, kehrt zurück zu Vernunft und Besonnenheit. Wenn christliche Werte unsere Gesellschaft geprägt haben, dann kann und soll sich das gerade jetzt darin erweisen, dass die Achtung der Menschenwürde höher steht, als jedes politische Kalkül.“

 





Zurück